Am 22.Juni wurde die dritte Staffel von The Umbrella Academy veröffentlicht. Kurz danach hab auch ich mir die Zeit genommen, mir die neuen Abenteuer von Luther, Diego und Co. anzusehen. Akute Spoiler-Warnung.

Offizieller Trailer zu The Umbrella Academy: Staffel 3

The Umbrella Academy und ich

Damit der geneigte Leser versteht, auf welcher Basis und mit welchen Gefühlen ich das Ganze bewerte, hier eine kurze Erklärung: 

Die erste Staffel ist mir beim damaligen Release auf Netflix vorgeschlagen worden und weil ich generell gerne alternative Superhelden-Geschichten neben Marvel und DC anschaue, hab ich dem Ganzen dann auch eine Chance gegeben. Die Serie hat mich positiv überrascht. Nachdem ich dann gesehen hab, dass die Serie auch auf einer Comic-Vorlage basiert, hab ich mir auch die verfügbaren Comicbücher geholt und gelesen.

Bei Umbrella Academy war ich also komplett mit an Board. Auch die zweite Staffel hat mich nicht wirklich enttäuscht, weswegen ich auch nicht lange überlegen musste, ob ich mir auch die dritte Staffel auf die Watchlist setze. Die dritte Staffel habe ich, wie die beiden anderen Staffeln auch, in deutscher Synchronisation gesehen.

Die ersten beiden Folgen gingen sehr schleppend. Da hatte ich kurz den Punkt erreicht, an dem ich mir gesagt hab “Gut, diese Serie chatcht mich grad nicht so, das ich sie jetzt auf biegen und brechen durchbingen muss. Dieses Gefühl hat an sich auch eigentlich etwas gutes: man fühlt sich nach jeder Folge nicht zu einer Entscheidung gezwungen, ob man jetzt guten Gewissens an dieser Stelle aufhören kann oder ob man lieber weiterschauen möchte.

Ab Folge drei hat die Story endlich Fahrt aufgenommen. Und so musste ich mich doch noch mit der Frage konfrontieren, ob ich noch Zeit investieren kann. Durch die Laufzeit von ca. 45 Minuten pro Folge, war das auch immer möglich. Dieser Aspekt ist für mich positiv zu bewerten, da andere Serien (ich verweise hier auf mein Review zu Stranger Things Staffel 4 Teil 1) hier ausscheren.

Durch minimale Veränderungen in der Zeitlinie und den daraus entstehenden Konsequenzen in Staffel 2 endet diese mit dem Auftritt der Sparrow Academy, die in der dritten Staffel mit neben der allseits bekannten Umbrella Academy auch zum Hauptcast gehören. 

Die Rezension zur Umbrella Academy

Nummer 1 – Luther

Ich kann micht nicht erinnern, das dieser Charakter in den vorhergehenden Staffeln so „hohl“ war. Wird hier tatsächlich das Klischee abgebildet, das trotz Muskeln nichts im Hirn ist? Schade. Luther als Charakter hat eigentlich viel potenzial. Die Liebesgeschichte zur Sparrow Sloane pimpt den Charakter wenigstens wieder. Aber diese dümmlichen Konversationen, das er nichts versteht, ist zutiefst irritierend. Trotzdem sympathisiert man die meiste Zeit mit ihm. Sein Tod kam aus dem Nichts und trifft den Zuschauer auch knallhart. Sein “Hero-Moment” (mit Hilfe von Klaus) zum Finale ist eins der Highlights der Staffel.

So gleicht sich die Bewertung schlussendlich irgendwie wieder aus. Bekommt schlussendlich aber doch kein HappyEnd. Vielleicht aber in Staffel 4? Sloane wird auch in dieser Zeitlinie irgendwo leben.

Nummer 2 – Diego

Seine Charakterentwicklung war eigentlich die sympathischste von den ganzen Mitgliedern der Umbrella Academy. Er reift vom Vater wider willen zum werdenden Vater, der sich von seinem Robo-Mutterkomplex losgesagt hat, lernt Verantwortung zu übernehmen und für seine (zukünftige) Familie einzustehen. Ihm ist das HappyEnd sehr vergönnt. In Staffel 4 dann als Vater-Sohn-Duo unterwegs?

Nummer 3 – Allison

Der schlimmste / nervigste Charakter der gesamten Staffel. Ich kann ihr ihre Frustration/Depression/Enttäuschung über den “Verlust” ihrer Familie nicht abkaufen. Schließlich war sie diejenige, die ihre Kräfte ausgenutzt hat, um sich Vorteile im Leben zu holen, die ihr letztendlich den Verlust ihrer Familie beschert hat. Oben drauf kommt natürlich jetzt die Tatsache, das sie ihre Fehler scheinbar eingesehen hat und jetzt versucht, nach vorne zu schauen und alles besser zu machen. Manchmal ist es einfach zu spät. 

Diese Entwicklung des Charakters geht für mich in eine völlig falsche Richtung. Er ist eher störend als hilfreich. In jeder Familienszene nur auf ihren eigenen, teils wirklich egoistischen Weg fokussiert. Wie gesagt. Selber schuld an ihrer Situation. Dafür muss kein anderer Charakter büßen. Es war auch absolut vorhersehbar, das sie mit Reginald Hargreaves unter einer Decke steckt. Und letztendlich hat sie aber sogar ein Happy End bekommen. Für mich unverständlich. Selten in einer Serie so viel kopfschütteln für einen Charakter gehabt, wie hier.

Nummer 4 – Klaus

Der Charakter Klaus kriegt auch wieder einiges an Screentime. Diesmal sogar eine volle Charakterentwicklung. Der neue Reginald nimmt sich tatsächlich die Zeit und bildet ihn in seinen Fähigkeiten aus. Zwar nur, um ihn letztendlich zu hintergehen, aber trotzdem lernen wir diesmal auch seine endgültige Superkraft kennen. Auch sorgt er mit seinen Kräften für den Gamechanger der Staffel. Jetzt, wo er praktisch unsterblich ist, bin ich gespannt, was die nächste Staffel für ihn bereit hält

Nummer 5 – Fünf

Fünf ist eigentlich mein Lieblingscharakter. Die Weisheit eines älteren, durch Lebenserfahrung geprägten Menschen verpackt in einen kindlichen/jugendlichen Körper im schnittigen Anzug. Ich mag seinen Humor.

Das einzige was mich bei diesem Charakter in dieser Staffel irritiert hat, war die Reise zur Kommission und sein Zusammentreffen mit seinem älteren Komissionsgründer-Ich.

Wozu das Ganze? Wozu das Tattoo? Es hat nirgends geholfen, außer das er deshalb über die Sigillen bescheid wusste, die erst in der letzten Folge der Staffel eine Rolle spielen. Warum lässt er sich das Tattoo dann nochmal stechen lassen, wenn er die abgeschnittene Haut dabei hat? Und warum soll er laut seinem zukünftigen Ich die Welt nicht retten? Liegt es daran, das es jetzt eine ultimative Hargreeves-World gibt? Wollte der Kommissionsgründer-Fünf den kleinen Fünf so warnen? Nur so kann ich mir diese Konversation erklären.

Nummer 6 – Ben

Immer noch tot. Diesmal auch nicht als Machtgeist mit dabei – dafür aber als Möchtegern-Anführer der Sparrow Academy. Siehe unten.

Nummer 7 – Vanya / Viktor

Mit Spannung ist erwartet worden, wie der Wechsel von Vanya zu Viktor verlaufen wird, nachdem sich Ellen Page dazu entschieden hat, künftig als Elliot Page weiterleben zu wollen. Ich hoffe diese Formulierung ist politisch korrekt. Der Serie ist es auch tatsächlich gut gelungen, die Charakterentwicklung sinnvoll rüberzubringen. Auch wird sehr humorvoll auf die Wirkung des sozialen Umfelds eingegangen, in dem Luther eine Party veranstalten will, damit Viktor sich geliebt fühlt. Ein netter, kurzer Dialog zwischen Viktor, Luther und Diego und insgesamt eine sehr nette Geste bzw. Anekdote der Autoren.

Ein bisschen irritierend war jedoch, dass Elliot Page in Folge 1, als er noch Vanya gespielt hat, in der deutschen Synchronisation trotzdem bereits eine männliche Stimme hatte. An dieser Stelle kann ich jetzt nicht bewerten, die der Unterschied in der originalen Synchro ist und ob möglicherweise die anderen beiden Staffeln ggf. nachvertont werden.

Viktor war diesmal auch ausnahmsweise nicht der Endgegner der Staffel bzw. hatte auch nichts mit dem Weltuntergang zu tun, den die Umbrella Academy in dieser Staffel zu bewältigen hatte. Hat sich als Teamleader angeboten. Wurde aber von keinem seiner Geschwister ernst genommen.

Die Rezension zur Sparrow Academy

Nummer 1 – Marcus

Der sinnloseste Charakter der gesamten Staffel. Wieviel Screen-Time hatte der Kerl? Zwei Trainingseinheiten in schlechtem CGI auf dem Dach der Sparrow-Akademie und gefühlt zwei Schnitte später schluckt ihn der Kugelblitz. Hauptsache als Nummer 1 deklariert sein (was bei der Sparrow-Acadamy ja eigentlich eine Bedeutung hat).

Nummer 2 – Ben

Nach zwei Staffeln, in der der Charakter “Ben” eigentlich tot war und man seine Kräfte nur am Rande mitbekommen hat, hat er in dieser Staffel (endlich) seinen großen Auftritt. Justin H. Min musste für seine Rolle sogar erstmals Kampftraining nehmen, da wir ihn in dieser Staffel das erste mal auch in Tentakel-Action sehen. Über die gesamte Laufzeit tatsächlich eher ein Arschloch-Charakter, der aber, wenn auch erst zu Ende der Staffel erkennbar, einen weichen Kern hat. Er scheint, etwas kompensieren zu müssen. Vaterkomplex?

Und was hat es mit „Jennifer“ auf sich? Ein Vorfall mit besagtem Namen hat für den Verlust von Ben bei der Umbrella Academy gesorgt. Der Name taucht auch auf Zeichnungen beim Ben der Sparrow Academy auf. Vielleicht bringt Staffel 4 hier auch endlich einmal Licht ins Dunkle. Eine wichtige Rolle dürfte er dort spielen: die Postcredit-Szene der 3. Staffel featured ihn noch einmal kurz in der U-Bahn. Vielleicht wird er in Staffel 4 ja endlich zu einer Nummer 1.

Nummer 3 – Fei

Neben Sloane der einzige sympathische Charakter, der begreift, was eigentlich los ist. Erst steht sie für die Familie ein und als sie merkt, wo eigentlich die Probleme stecken, versucht sie Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Dinge zu tun. Wird aber natürlich vom Ego-Ben klein gehalten und stirbt sinnlos. Aber nette Superkraft. Hat mich an die nordische Mythologie und Assassin’s Creed: Valhalla erinnern lassen.

Nummer 4 – Alphonso

Die spannendste, neue Superkraft. Mehr hat man aber nicht gesehn. Wieder potenzial verschwendet. Stirbt zu schnell. Hat der Tod einen Sinn? Habe keinen gefunden. Die Kräfte von Lester Pocket alias Harlan Cooper, für die Viktor in Staffel 2 verantwortlich war, hätten theoretisch auch anders eingeführt werden können. Dafür muss man kein neues Superhelden-Team aufbauen, bei dem die Hälfte erstmal wegstirbt, damit andere Sidestorys eröffnet werden können.

Nummer 5 – Sloane

Der zweite Platz der Überlebenden Sparrows. Hat neben Ben die größten Auftritte und den meisten Impact in die gesamte Geschichte. Die Liebesgeschichte zu Luther wirkt auch nicht gekünstelt und lockert die Storyline auch angenehm auf. Hier ist wieder gutes Characterbuilding zu sehen. Das einzige, positive Beispiel bei den Sparrows. Schade, das sie offensichtlich am Ende nicht übrig bleibt. Aber sie wird irgendwo auf der Welt sein und Luther wird seine Frau finden. Und am Ende leben Luther und Sloane glücklich auf dem Mond.

Nummer 6 – Jayme

Auch hier eine interessante, neue Superkraft, die man kaum gesehen hat. Auch wieder potenzial verschwendet. Ist auch ein Opfer von Harlan und auch hier ergibt der Tod für mich keinen weiteren Sinn für die Geschichte.

Nummer 7 – Christopher

Eine schwebende Box, die eigentlich die Welt rettet und durch eine dumme Unachtsamkeit, “getötet” wird. Wenn man sich an die Szenen der Sturzgeburten aus Staffel 1 im Schwimmbad und hier in Staffel 3 in der U-Bahn erinnert, frage ich mich, wer oder was diese Kiste geboren hat bzw. welchen Unfall ein Mensch haben muss, um eine schwebende Box zu werden. Dieser Charakter war so irritierend, das ich nicht wirklich weiß, wie ich ihn weiter rezensieren soll.

Zusammenfassung der Sparrow Academy

Wozu also die Sparrows? Der Plot rund um die Existenz einer alternativen Academy hatte keinen großen Sinn in der ganzen Geschichte. Der Großteil stirbt recht schnell und die einzigen beiden für die Story wichtigen Charaktere hätte man definitiv auch anders einführen können. Ben hätte z.B. hätte in dieser Zeitlinie tatsächlich einfach lebendig sein können und für Sloane hätte man sicher auch etwas gefunden, wodurch sie auf die Umbrella Academy stoßen würde. Ja, auch Christopher war wichtig, weil er den Kugelblitz für 2 Minuten eingefangen hatte. Aber der Rest? Kanonenfutter.

Ein schnelles und doch langwieriges Ende

Eine Rezension der dritten Staffel ergibt sich für mich aus der Bewertung der einzelnen Charaktere und deren Entwicklung innerhalb der Geschichte. Und weil eben viel Characterbuilding passiert ist, spielt das außenrum eigentlich kaum eine Rolle. Das die ganze Welt dann tatsächlich auch im wahrsten Sinne des Wortes auseinander bricht, bestätigt mich, mehr auf die Charaktere zu blicken als auf das Drumherum.

Aber jede Staffel braucht auch ein Ende. Und dieses Ende wurde leider in die Länge gezogen: die Sigillen-Rätsel in der letzten Folge hätten eigentlich definitiv früher aufgedeckt werden müssen. Lazy Writing? Erstmal alle Teammitglieder trennen, sie einzeln kämpfen lassen, um sie wieder an den Anfang zu locken, wo auf einmal das Rätsel gelöst wird. Wenn 10 Leute auf so einem engen Raum wie die Lobby des Hotels herumlaufen, wäre bestimmt einer davon einmal auf einen der Sterne gestiegen, der dann sofort reagiert hätte, wie es beim großen Sigillen-Reveal sichtbar war. Egal. Die Welt ist gerettet. Wieder einmal.

Auch wenn meine Rezension an der ein oder anderen Stelle sehr hart ist – ich hab die dritte Staffel trotz allem sehr genossen und bin gespannt, was die vierte Staffel so zu bieten hat. Die Post Credit-Szene, die eine Art Hargreeves-World anteasert, verspricht spannendes!

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